Norwegen - Fjorde, Fjell, Berge, Wasserfälle.. gehört und gelesen
hatte ich schon viel über dieses Land, nun wollte ich selbst einmal dorthin.
Der Weg zur Tour führte mich Erstmal in die Buchhandlung um Karten und
Reiseführer zu besorgen. Ich entschied mich für "Norwegen per
Rad" aus dem Cyklos-Verlag und dem Skandinavienatlas von Freytag &
Berndt (Maßstab 1:300000) weil der so gut in meine Ortlieb A4-Schutztasche
paßte (natürlich auf die relevanten Seiten reduziert - Ringbindung).
Im Juli 2003 war es endlich soweit nach einem vorbereiteten Harzbesuch und diversen
Übungsfahrten über die "Berge" der Umgebung (Deister, Gehrdener
Berg) sollte es jetzt also nach Norwegen gehen.Vor der Freude stand jedoch erst
einmal der übliche Streß, verursacht von den üblichen Verdächtigen(
der Bahn): bei der IC-Anfahrt nach Hamburg waren mehr Stellplatzkarten ausgeben
worden als Stellplätze vorhanden waren, das ergab ein heilloses Gedränge
im Fahrradabteil.
Beim anschließenden Regionalexpress hatte ich Glück als einer
der ersten einzusteigen, einige Radler die nach mir kamen mußten warten.
Also auch an dieser Stelle der Appell an die Bahn: Baut größere Fahrradabteile!
Auf der Nachtfähre in Kiel gab es keinen Streß, das Fahrrad wird
mitsamt den Taschen einfach gegen die Bordwand gelehnt und mit Seilen oder Schlosskabel
an diversen Rohren gesichert. Das Gepäck bleibt am Rad, nur das nötigste
für die Überfahrt wird mitgenommen.
Auf der Fähre lernte ich dann mit Holger und Christian
zwei weitere Reiseradler kennen und im Gespräch stellte sich heraus das
wir zumindestens die ersten zwei Etappen zusammen fahren können. Die Fährankunftszeit
ist 9.Uhr so das bereits am ersten Tag gefahren werden konnte.
Unser erstes Ziel war Honefoss dazwischen lagen einige Höhenzüge bis
550mtr. Die meiste Zeit fuhren wir diese Strecke auf unbefestigten Wegen, was
Kraft kostete aber durch die Nähe zur Natur entschädigt wurde. Unterwegs
wurden wir von einem Einheimischen auf einen Hof aufmerksam gemacht wo die Besitzer
einem kleinen Nebenerwerb nachgingen indem sie heiße Schokolade, kalte
Getränke und selbstgemachte Waffeln verkauften.
Eine nette und in Norwegen sehr seltene Gelegenheit, ansonsten sind Cafés
und Restaurants nur in den Städten und touristischen Orten zu finden.
In Honefoss wollten wir einen der Jugendherberge angeschlossenen Zeltplatz ansteuern,
es stellte sich jedoch heraus das dieser geschlossen war. Ein Blick in die Kartenwerke
und ein weiterer Zeltplatz tat sich auf - nur 15 km entfernt.


Am nächsten Tag fuhren wir von zum Randsfjorden einem langgestreckten See der über 90km bis nach Dokka reicht. Am See entlang war es ein angenehmes Radeln über eine leicht hügelige Strecke immer am Wasser entlang. Auf halber Strecke verabschiedete ich mich von Holger und Christian, die jetzt nach Westen abbogen um über die Hardangervidda Bergen anzusteuern. Mein Weg führte mich weiter nach Norden nach Dokka, wo ich erstmals feststellen mußte das es mit der Genauigkeit der Karte nicht allzuweit her ist, der Campingplatz fand sich nicht südlich des Ortes wie eingezeichnet sondern westlich.

Die nächste Etappe führte mich von Dokka aus Richtung Nordosten zum nördlichen Teil des Mjosa-Sees. Hierbei waren drei Höhenzüge zu überwinden. Der Mjosa-See ist der größte Binnensee Norwegens.



In Skie gönnte ich mir die erste Hotelübernachtung und besichtigte den örtlichen Aussichtspunkt.Am nächsten Tag sollte der eigentliche Peer-Gynt-Veg folgen ,der an der Mautstelle mit der erfreulichen Erkenntnis begann das hier anscheinend nur Auto- und Motorradfahrer abkassiert werden.Der Peer-Gynt-Veg hat größtenteils einen Grussbelag der gut befahrbar ist. Eine herrliche Fjelllandschlaft mit Ausblick auf das Rondane und Jotunheimen Gebirge eröffnet sich mir.

Die Gegend scheint auch ein beliebtes Moutainbiker-Revier zu sein ,jedenfalls begegneten mir selbige ständig auf dem weiteren Weg. Am Ende des Peer-Gynt-Wegs geht es eine mehrere Kilometer lange Abfahrt steil hinunter nach Harpefoss. Im Tal folgte ich dann dem Fluss bis nach Sjoa wo ich einen sehr schönen Campingplatz direkt am Wildwasser fand, der auch von vielen Kanuten frequentiert wurde.

Weiter führte mich mein Weg über Lom ins "Reich der Riesen" - Jotunheimen. Von dem Touristenort Lom führt die "55" als höchstgelegene Paßstrasse Nordeuropas über das Jotunheimen-Gebirge. Bereits kurz nach Lom konnte ich erste Blicke durch die Wolken auf die Schnee- und Eisbedeckten Berge erhaschen und wenig später riß die Wolkendecke dann ganz auf. Die "55" ist von Lom aus noch recht angenehm mit 7-8% Steigung befahrbar. Am Anfang führt sie durch ein bewaldetes Tal, das sich aber später in eine typische Hochgebirgslandschaft verwandelt.Wasserfälle, Gebirgsbäche und Eis und Schnee an den Hängen begleiteten meinen Weg auf der Strasse. Als ich nach einer abschließenden Serpentine die Passhöhe erreicht hatte erblickte ich direkt über mir zum Greifen nahe eine dicke Regenwolke, selbige ließ sich dann auch nicht lumpen und ehe ich noch von meinem Lieger aufgestanden war um meine Regenhose hervorzuholen, stand mir das Wasser auch bereits "bis zum Hals". Nachdem der heftige Regenschauer endete, die durchnäßten Socken gewechselt waren, Handschuhe und Fleecejacke gegen die Kälte eingesetzt waren ging es mir auch schon wieder besser. Ich machte mich also auf die "obere Etage" des Jotunheimen Gebirges, das Sognefjell, zu erkunden. Die Natur baute ein beeindruckendes Freilufttheater mit Wolkenfetzen über Gebirgsseen und Gletschern aus und ich genoß selbiges in vollen Zügen.




Schließlich lag die Abfahrt nach Skjolden zum Anfang des Lustrafjorden vor mir. Es ging mit 10% über eine lange Serpentinenstrecke hinab, aufgrund der recht kurzen Schenkel der Serpentinen waren die Zeiten zwischen den Bremsmanövern zu kurz um die Felge abkühlen zu lassen so das ich in regelmäßigen Abständen Pausen einlegte um selbige abkühlen zu lassen. Während der rasanten Abfahrt wechselte die Landschaft von der typischen Hochfjelllandschaft wieder in ein sattes Grün. Gegen Ende der Serpentinenstrecke passierte es dann ,eine Pause zu wenig, Gummigeruch in der Nase und kurz darauf ein Knall mit dem sich der Mantel am 20" Vorderrad verabschiedete ,glücklicherweise passierte es auf einer geraden nach dem runterbremsen. Da ich laut "Murphy" kein Ersatzreifen dabei hatte und die Mantelflicken für den 10cm Riss nicht tauglich waren, schob ich das Rad Erstmal die restlichen Kilometer bis zum Campingplatz vor Skjolden. Während ich mein Zelt im Dunkeln aufbaute wunderte ich mich über das permanente Rauschen , am nächsten Morgen sah ich dann den hohen Wasserfall der direkt vor dem Campingplatz herabfiel. Da mir das Malheur am Samstagabend passiert war, konnte ich erst am Montag mit meinen Radhändler (Räderwerk) Kontakten , um den in Norwegen ungängigen 20" Mantel zu ordern. Da ich frühestens Freitag mit dem Mantel rechnete, begann ich mich Erstmal auf dem Campingplatz häuslich einzurichten und unternahm einige Wanderungen in der Umgebung.
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